Stromanbieterwechsel trotz Sperre – Wege aus der Energiekrise im eigenen Haushalt
Eine Stromsperre kann schnell zur großen Belastungsprobe werden: Plötzlich steht man ohne Licht, ohne funktionierende Haushaltsgeräte und damit oft auch ohne die Möglichkeit, wichtige Alltagsaufgaben zu erledigen, da der Stromanschluss gekappt ist. Doch was, wenn man trotzdem den Stromanbieter wechseln möchte? Ist ein Stromanbieterwechsel trotz Sperre überhaupt möglich? In diesem ausführlichen Ratgeber erfährst du, welche Schritte du gehen kannst, um wieder eine verlässliche Stromversorgung sicherzustellen, welche rechtlichen Rahmenbedingungen gelten, wie du auf Zahlungsverzug reagieren solltest und welche Hilfsangebote dir zur Verfügung stehen können.
*Es kann vorkommen, dass wir nicht alle Anbieter im Vergleichsrechner haben. Sollte Ihnen ein Anbieter fehlen, so schreiben Sie uns bitte an!
Warum kommt es überhaupt zur Stromsperre?
Bevor man einen Stromanbieterwechsel trotz Sperre in Angriff nimmt, ist es wichtig zu verstehen, weshalb eine Stromsperre überhaupt verhängt werden kann. In der Regel geschieht dies, weil Stromrechnungen über einen längeren Zeitraum nicht oder nur unvollständig beglichen wurden. Das kann unterschiedliche Ursachen haben:
- Plötzliche finanzielle Engpässe: Jobverlust, Krankheit oder familiäre Gründe können dazu führen, dass man Zahlungspflichten nicht mehr erfüllen kann.
- Überschuldung: Wer bereits mehrere Kredite oder offene Forderungen bedienen muss, gerät leichter in Zahlungsverzug.
- Unklare Vertragsdetails: Manchmal werden Stromtarife abgeschlossen, die über das eigentliche Energieverbrauch-Bedürfnis hinausgehen, sodass die monatlichen Kosten unerwartet hoch ausfallen können.
- Fehlende Kommunikation: Wer auf Mahnung oder Sperrankündigung nicht rechtzeitig reagiert oder Vereinbarungen mit dem Energieversorger nicht einhält, riskiert ebenfalls eine Stromsperre.
Tipp: Grundsätzlich ist jeder Energieversorger verpflichtet, seine Kundinnen und Kunden bei aufkommenden Zahlungsproblemen zu informieren. Erhaltene Zahlungsaufforderungen oder Mahnungen sollten daher unbedingt ernst genommen werden, um eine Sperrankündigung zu vermeiden.
Ist ein Stromanbieterwechsel trotz Sperre überhaupt erlaubt?
Grundsätzlich gilt: Ein Stromanbieterwechsel ist ein frei wählbarer Schritt, um einen günstigeren oder passenderen Tarif zu finden. Eine laufende Sperre macht den Prozess aber meist komplizierter. Ob ein Wechsel möglich ist, hängt von mehreren Faktoren ab:
- Art des Vertrages: Befindet man sich noch in einem aktiven Vertragsverhältnis mit seinem bisherigen Stromanbieter, muss dieses zunächst gekündigt bzw. beendet werden. Allerdings ist eine außerordentliche Kündigung wegen Zahlungsverzug in den meisten Fällen nicht ohne Weiteres möglich, wenn man noch Schulden bei diesem Energieversorger hat.
- Grundversorgung: In Deutschland besteht eine sogenannte Versorgungspflicht durch die örtliche Grundversorgung. Wenn also kein anderer Vertrag zustande kommt und alle Schulden beglichen sind, stellt die Grundversorgung sicher, dass Haushalte nicht dauerhaft ohne Strom bleiben. Dennoch gilt es, offene Forderungen des alten Anbieters zu regeln, um eine Stromanmeldung bei einem neuen Anbieter zu ermöglichen.
- Gesetzliche Vorgaben: In vielen Regionen ist ein Wechsel trotz Rückständen oder laufender Sperre rechtlich zwar nicht ausdrücklich ausgeschlossen, allerdings stößt man oft auf organisatorische Hürden. Der neue Stromanbieter verlangt in aller Regel eine Bestätigung, dass keine aktive Sperre mehr vorliegt oder dass die Rückstände beglichen werden.
Fazit: Ein Stromanbieterwechsel trotz Sperre ist nicht unmöglich, jedoch an bestimmte Voraussetzungen geknüpft. Die wichtigste Grundlage ist meist die Begleichung von Energieschulden und das Aufheben der Stromsperre beim aktuellen Anbieter.
Schritte zur Aufhebung der Stromsperre
Kontakt mit dem Energieversorger aufnehmen
Sobald eine Mahnung oder Sperrankündigung eintrifft, solltest du direkt mit deinem Energieversorger Kontakt aufnehmen. Ein klärendes Gespräch kann Missverständnisse ausräumen und dir gegebenenfalls mehr Zeit verschaffen.Rückstände begleichen
Oft wird vom Energieversorger gefordert, dass alle offenen Rechnungen (oder zumindest ein erheblicher Teil) beglichen werden, bevor die Stromsperre aufgehoben wird. Hierbei kann ein Ratenzahlungsplan helfen. Dieser ermöglicht es dir, die Schulden in mehreren Teilbeträgen zurückzuzahlen.Ratenzahlung oder Stundung vereinbaren
Falls du den Rückstand nicht in einer Summe begleichen kannst, kann eine Ratenzahlung oder Stundung sinnvoll sein. Auf diese Weise signalisierst du deinem Stromanbieter Kooperationsbereitschaft. Wichtig ist, dass du dich an die vereinbarten Raten hältst.Finanzielle Unterstützung prüfen
In finanziell schwierigen Situationen kann man sich an verschiedene Stellen wenden:- Sozialamt oder Jobcenter: Unter Umständen besteht Anspruch auf ergänzende Leistungen.
- Energieberatung: Unabhängige Beratungsstellen prüfen deinen Energieverbrauch und können dir Tipps geben, wie du Kosten senken kannst.
- Schuldenberatung: Professionelle Beratungsstellen helfen dir bei der Erstellung eines Haushaltsplans und bei Verhandlungen mit dem Energieversorger.
Amtliche Hilfe beantragen
Gibt es besondere Umstände (z. B. Gefahr für Leib und Leben, gesundheitliche Probleme), lässt sich möglicherweise ein Antrag auf Übernahme der Schulden durch staatliche Stellen stellen. Auch in solchen Fällen muss häufig eine fachliche Beratung vor Ort stattfinden.Wiedereinschaltung des Stromanschlusses veranlassen
Sobald die finanziellen Fragen geklärt sind oder ein verbindlicher Zahlungsplan steht, nimmt der Energieversorger in der Regel Kontakt mit dem Messstellenbetreiber auf, um den Strom wieder anzuschalten. Erst wenn dies erfolgreich geschehen ist, lässt sich ein Stromanbieterwechsel realistisch umsetzen.
Wie gelingt ein Stromanbieterwechsel nach einer Sperre?
Sobald die Stromsperre aufgehoben und sämtliche offenen Forderungen geklärt sind (oder zumindest durch eine rechtsverbindliche Vereinbarung geregelt sind), steht einem Stromanbieterwechsel in der Regel nichts mehr im Weg. Allerdings ist es ratsam, dabei schrittweise vorzugehen:
Eigene Bedürfnisse prüfen
Überlege, wie hoch dein jährlicher Energieverbrauch ungefähr ist, welche Vertragslaufzeiten für dich in Frage kommen und ob du Wert auf Ökostrom oder bestimmte Tarifdetails legst. Nur so findest du einen passenden Stromtarif.Vergleichen und informieren
Suche nach möglichen Energieversorgern, die deinen Vorstellungen entsprechen. Da du dich nach einer Sperre in einer schwierigen Lage befindest, ist es umso wichtiger, auf versteckte Kosten oder lange Vertragsbindungen zu achten. Auch der Umgang des neuen Anbieters mit potenziellen Rückstands-Situationen ist interessant.Vertragsabschluss
Wenn du dich für einen neuen Stromanbieter entschieden hast, folgt der eigentliche Vertragsabschluss. Oft übernimmt der neue Versorger die Kündigung beim alten Anbieter, allerdings geht das nur, wenn dein altes Vertragsverhältnis nicht bereits beendet wurde und keine unüberwindbaren Energieschulden mehr vorliegen. Bei speziellen Fällen (z. B. aktiver Sperre) können einzelne Anbieter eine Vorauszahlung oder Kaution verlangen.Stromanmeldung
Sobald der Anbieterwechsel schriftlich bestätigt wurde, meldet der neue Anbieter deinen Stromanschluss beim Netzbetreiber an. Ein genauer Termin für die Umschaltung wird in der Regel mitgeteilt. Achte darauf, alle Informationen (Zählernummer, Zählerstand, etc.) korrekt anzugeben.Kontinuierliche Zahlung
Um erneute Sperren zu vermeiden, ist es wichtig, zukünftig alle Rechnungen pünktlich zu zahlen. Eine monatliche Abschlagszahlung sorgt für bessere Übersichtlichkeit. Wer die Stromkosten im Blick behält, kann frühzeitig reagieren, falls diese zu hoch werden.
Was tun, wenn kein neuer Anbieter mich aufnehmen will?
In einigen Fällen kommt es vor, dass Menschen nach einer Stromsperre bei vielen Anbietern abgelehnt werden. Gründe dafür können sein:
- Negative Schufa-Einträge durch offene Forderungen
- Unklare finanzielle Situation
- Kurze Kündigungsfristen oder Streitfälle mit dem vorherigen Stromanbieter
Bei Ablehnung durch verschiedene Anbieter kann man sich auf die gesetzliche Grundversorgung berufen. In Deutschland hat jede*r das Recht auf Strom in der Grundversorgung, zumindest sofern sichergestellt ist, dass eine Sperre nicht mehr aktiv besteht oder die grundlegenden Bedingungen erfüllt sind. Die Grundversorgung ist oftmals teurer als spezielle Spartarife, aber sie dient als wichtiger Auffangmechanismus, damit niemand dauerhaft ohne Strom bleiben muss.
Umgang mit Energieschulden und langfristige Strategien
Wer bereits eine Stromsperre erlebt hat, möchte diese Situation in Zukunft unbedingt vermeiden. Hier einige Tipps, wie du dauerhaft für eine stabile Stromversorgung sorgen kannst:
Regelmäßige Kostenkontrolle
Führe ein Haushaltsbuch, notiere alle Einnahmen und Ausgaben und überprüfe regelmäßig deinen Energieverbrauch. Nur so erkennst du frühzeitig, ob Kosten in einem vertretbaren Rahmen liegen.Energieeffizienz steigern
Moderne Haushaltsgeräte, energiesparende Beleuchtung und verantwortungsvolles Nutzerverhalten senken den Energieverbrauch deutlich. Auch kleine Maßnahmen wie das Ziehen von Steckerleisten oder bewussteres Heizen (falls du auch Heizstrom nutzt) wirken sich aus.Frühzeitige Kommunikation
Sobald finanzielle Probleme absehbar sind, lohnt es sich, den Energieversorger zu kontaktieren. Viele Anbieter sind gesprächsbereit, wenn man offene Forderungen in Raten zahlt oder spezielle Vereinbarungen trifft.Prüfung der Abschlagszahlungen
Wenn deine Rechnung besonders hoch ausfällt, kann es sinnvoll sein, den monatlichen Abschlag individuell anzupassen. So vermeidest du hohe Nachzahlungen am Jahresende und gerätst weniger schnell in Zahlungsverzug.Beratung in Anspruch nehmen
Scheue dich nicht, professionelle Energieberatung oder Schuldenberatung in Anspruch zu nehmen. Diese helfen dir, Ursachen zu identifizieren und Lösungswege zu finden. Oft gibt es kostenlose Beratungsstellen, die wertvolle Tipps liefern.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
1. Ist ein Stromanbieterwechsel trotz Sperre sofort möglich?
Ein Stromanbieterwechsel trotz Sperre ist in der Praxis oft erst realisierbar, wenn man die Stromsperre hat aufheben lassen. Das bedeutet, dass zumindest ein Teil der Energieschulden beglichen sein muss oder eine Ratenzahlung vereinbart wurde. Solange die Sperre aktiv ist und hohe Rückstände bestehen, werden die meisten neuen Anbieter einen Vertragsabschluss verweigern.
2. Was kann ich tun, wenn ich den Betrag für die Aufhebung der Sperre nicht auf einmal zahlen kann?
In vielen Fällen lässt sich mit dem bestehenden Energieversorger ein Ratenzahlungsplan vereinbaren. Hierbei leistest du regelmäßige Teilzahlungen, um die offenen Beträge zu tilgen. Alternativ können Sozialleistungsträger oder das Jobcenter unter bestimmten Voraussetzungen helfen, die Schulden zu übernehmen oder dich kurzfristig finanziell zu unterstützen.
3. Kann mir der Strom auch in einer Notsituation gesperrt werden?
In besonders schwerwiegenden Fällen, etwa bei akuter Gesundheitsgefährdung, sind die Rahmenbedingungen komplexer. Theoretisch ist eine Stromsperre dennoch möglich, wenn über einen längeren Zeitraum kein Zahlungseingang erfolgt. Allerdings gelten in akuten Notlagen manchmal Ausnahmeregelungen. Eine Beratung durch Fachstellen oder Behörden kann Klarheit schaffen.
4. Darf der neue Stromanbieter eine Kaution oder Vorauszahlung verlangen?
Ja, unter gewissen Umständen dürfen neue Energieversorger eine Sicherheit verlangen. Gerade wenn man zuvor in Zahlungsverzug geraten ist, kommt es vor, dass eine Kautionsleistung vorgeschrieben wird, bevor der Vertrag zustande kommt. Diese Praxis soll das Ausfallrisiko des Anbieters minimieren. Ob dies rechtlich zulässig ist, hängt jedoch von den genauen Vertragsbedingungen und den Umständen im Einzelfall ab.
5. Was ist der Unterschied zwischen Grundversorgung und Sondertarif?
Die Grundversorgung ist der Tarif, den der örtliche Grundversorger anbieten muss, wenn niemand einen anderen, speziellen Vertrag abgeschlossen hat. Die Preise hierfür sind oft höher als bei Sonder- oder Spartarifen. Ein Sondertarif entsteht durch einen individuell abgeschlossenen Vertrag mit einem Stromanbieter. Dieser bietet häufig günstigere Konditionen, kann jedoch auch bestimmte Voraussetzungen enthalten, zum Beispiel eine Mindestvertragslaufzeit oder eine positive Bonitätsprüfung.
6. Kann ich trotz laufendem Insolvenzverfahren den Stromanbieter wechseln?
Ein laufendes Insolvenzverfahren bedeutet nicht automatisch, dass du keinen neuen Stromanbieter wählen darfst. Allerdings kann es sein, dass Anbieter eine Bonitätsprüfung durchführen und dich auf dieser Grundlage ablehnen. Selbst in einem Insolvenzverfahren besteht jedoch Anspruch auf Grundversorgung, sofern die Sperre aufgehoben ist und kein unverhältnismäßiger Rückstand vorliegt.
7. Was passiert mit den Altschulden beim alten Stromanbieter, wenn ich wechsle?
Selbst wenn du erfolgreich einen Stromanbieterwechsel vornimmst, bleiben Energieschulden beim alten Versorger bestehen. Diese musst du weiterhin begleichen. Gelingt dies nicht, können Inkasso- und Mahnverfahren folgen. Ein neuer Stromvertrag entbindet dich also nicht von bereits bestehenden Schulden.
8. Wie kann ich vorbeugen, dass es zu einer erneuten Stromsperre kommt?
Die beste Vorsorge besteht in einer frühzeitigen Erkennung von finanziellen Problemen. Ein offenes Gespräch mit dem Energieversorger, regelmäßige Überprüfungen des Stromverbrauchs sowie eine realistische Einschätzung der monatlichen Abschläge helfen, erneute Sperrungen zu vermeiden. Bei dauerhaften finanziellen Engpässen kann eine Energieberatung oder Schuldenberatung dabei helfen, die Ursachen zu beseitigen.
Zusammenfassung
Ein Stromanbieterwechsel trotz Sperre ist zweifellos eine Herausforderung. Die wichtigste Voraussetzung ist, dass die Stromsperre zunächst beendet oder zumindest ausgesetzt wird. Dafür müssen in der Regel Rückstand und Schulden beim alten Energieversorger geklärt sein. Eine enge Kommunikation mit allen Beteiligten (Versorger, Beratungsstellen, Behörden) ist der Schlüssel, um das Problem Schritt für Schritt anzugehen.
Ist die Stromversorgung einmal wiederhergestellt, lohnt es sich, den Markt aufmerksam zu sondieren, um einen passenden Stromtarif für die eigene Haushaltsgröße zu finden. Auch nach erfolgreichem Wechsel sollte man stets darauf achten, die Rechnungen pünktlich zu begleichen und den eigenen Energieverbrauch regelmäßig zu prüfen, um unnötige Kosten zu vermeiden. Eine Stromsperre ist eine einschneidende Erfahrung, doch mit konsequentem Handeln, finanzieller Planung und Unterstützung von Fachleuten ist es möglich, nachhaltig für einen stabilen und bezahlbaren Strombezug zu sorgen.